Vorschau

Neujahrskonzert 2018 - Marc-Antoine Charpentier

Samstag, 6. Januar 2018, 19:00 Uhr,
Evang. Kirche Zwerenberg
Sonntag, 7. Januar 2018, 17:00 Uhr,
Evang. Stadtkirche Nagold

Marc-Antoine Charpentier

Te Deum mit Prélude Eurovision
Missa "Assumpta est Maria"

Simone Schwark, Sopran
Kristina Schaum, Sopran
Matthias Lucht, Altus
Thomas Jakobs, Tenor
Matthias Horn, Bass

Zwerenberger Vokalensemble

Barockensemble Cantate Domino
auf historischen Instrumenten

Leitung: Ulrich Seeger

Eintrittskarten: 20 €/16 € (erm. 18 €/14 €; Familienkarte 50 €) 45 Minuten vor Konzertbeginn an der Abendkasse.


Für das Programm hat Ulrich Seeger Werke des französischen Barockkomponisten Marc-Antoine Charpentier ausgewählt. Im Mittelpunkt steht dabei dessen berühmtes Te Deum, das durch die Verwendung der Eröffnungsmusik (Prélude) als Eurovisons-Melodie seit den 1950er-Jahren durch unzähliges Erklingen im Fernsehen internationale Berühmtheit erlangt hat. Das Programm wird durch eine der großen Messe-Vertonungen des Komponisten ergänzt.

Marc-Antoine Charpentier (1643–1704) zählt zu den herausragenden französischen Komponisten seiner Zeit. Sein Te Deum in D-Dur ist eine von vielen Kompositionen, die er für wichtige staatliche und religiöse Anlässe schrieb. Kenner wissen freilich, dass das glanzvolle Stück nach dem berühmten Prélude in seinem weiteren Verlauf eine Fülle von großartigen Vokalpartien in großer Besetzung zu bieten hat. Das glanzvolle, prächtige Werk wurde am Ende des 17. Jahrhunderts häufig zu Siegesfeiern und anderen öffentlichen Jubelanlässen aufgeführt.

Charpentier schuf eine Vielzahl kirchlicher Werke, Oratorien, Messen, Psalmen, Magnificat, vier Te Deum-Vertonungen sowie eine Anzahl weltlicher Werke wie Opern und Sonaten. Seiner Sorgfalt, alle Kopien seiner Werke binden und datieren zu lassen, ist es zu verdanken, dass der Nachwelt in 28 handschriftlichen Bänden rund 550 Werke erhalten sind.

 

Missa Assumpta est Maria

Marc-Antoine Charpentier komponierte am Ende des 17. Jahrhunderts diese Messvertonung - das Werk verzaubert vor allem mit zurückhaltenden Klängen und betörenden Melodien. Anlass war wohl das Hochfest Maria Himmelfahrt am 15. August. Der Titel der Messe „Assumpta est Maria“ – zu deutsch etwa: "Maria ist aufgenommen in den Himmel" stammt aus den Texten, die die Liturgie für die Eucharistiefeier an diesem Tag vorsieht. Die Messe ist sehr umfangreich besetzt: Charpentier sieht acht Gesangssolisten, sechsstimmigen Chor und Orchester vor.

Die Messe steht für die Vollendung der französischen geistlichen Musik der Zeit. Das Fest Maria Himmelfahrt hat eine lange Tradition. Obwohl für ein solches Fest prächtige Klänge naheliegend sind, bleibt Charpentier seinem Stil der Zurückhaltung treu. Für einen besonderen Moment sorgt er so direkt zu Beginn des Gloria. Normalerweise nutzten Komponisten vor allem den Anfang dieses Messteils für prachtvolle Klänge. Charpentier hingegen legt den Schwerpunkt auf die Aussage Et in Terra Pax - Friede auf Erden den Menschen.

Charpentier lebte in Paris zu Zeiten des berühmten Sonnenkönigs Ludwig IVX. Zwar wurde er nicht am französischen Hof als Komponist angestellt, aber er bekam oft Aufträge von dort. Charpentier stammte aus einer angesehenen Pariser Beamtenfamilie – deswegen war sein Streben nach einer Künstlerkarriere eigentlich ungewöhnlich. Zuerst zog es ihn zur Malerei, doch während einer Italienreise entschloss er sich zu einem musikalischen Studium bei Giacomo Carissimi in Rom. Seine Musiksprache hat daher auch italienischen Einfluss, besticht ansonsten durch kühne Harmonien und unerwartete Wendungen. Er komponierte erfolgreich sowohl für die Oper als auch für den katholischen Gottesdienst. Darüber hinaus schrieb er auch rein instrumentale Werke. Die Missa Assumpta est Maria ist ein Spätwerk von ihm und zeigt seine ganze Meisterschaft. Zum Ende des Gloria komponiert er zum Beispiel einen fugenartigen Abschluss, der die Worte „In gloria dei patris“ prachtvoll in Musik setzt: die Herrlichkeit des Dreieinigen Gottes bildet Charpentier so perfekt ab und setzt ein bekräftigendes Amen an das Ende.

Auch wenn der Titel der Messe die Zuordnung zum Hochfest Maria Himmelfahrt nahelegt, ist ein anderer Anlass auch möglich. Ohnehin weicht die Messe etwas von der Norm ab, denn Charpentier fügt dem Werk noch eine kurze Vertonung von Psalm 19 hinzu. Außerdem zeigt Charpentier in der Messe einen sehr kreativen Umgang mit den Gesangssolisten, dem Chor und dem umfangreich besetzen Orchester. So werden einige Messteile durch kurze instrumentale Vorspiele aufgelockert.

Fünf Jahre nach der Entstehung der Missa Assumpta est Maria starb Charpentier hochgeachtet 1704 in Paris. Neben seinem berühmten Te Deum ist diese Messvertonung wohl das beste Beispiel für die Qualität der französischen geistlichen Musik am Ende des 17. Jahrhunderts.